Donnerstag, 11. Mai 2017

Not ready yet


„Sag mal Lara, bist du bereit?“, fragt C, beide blicken aus dem verglasten chinesischen Flughafen, den wir beide vor fünf Wochen das erste Mal betraten. C spricht mit dieser Frage aus, was unbedingt gesagt werden muss und L wie ein unruhiger Geist seit Stunden durch den Kopf schwirrt: We are not ready yet. Einfach nicht bereit, dieses großartige Land einfach wieder zu verlassen: Vietnam. Nicht in der Lage, die Schönheit – nicht nur dieses Landes sondern auch der Erfahrungen, die wir auf seinem grünen Boden gemacht haben – in Worte zu fassen, die man Freunden sehnsüchtig entgegenbringt. Einfach nicht an dem Punkt, „good-bye“ zu sagen zu einer Reise, die uns wieder ein Stück näher an die Art von Mensch heran gebracht hat, zu der wir sind und wollen werden. Not ready yet.
Und dennoch saßen wir auf einmal in der S-Bahn in Hamburg, breiten unsere müden Arme zu einer vorerst letzten, intensiven Umarmung aus und trennen uns … nach fünf Wochen geteilter Erfahrung, geteiltem Raum und geteilter Seelenverwandschaft. Möglicherweise ist das der Grund, dass euch die Bilder erst jetzt erreichen, wo Alltag wieder Standard und Teint wieder Frühlingsblässe geworden ist. Wir hoffen, dass die Bilder euch warm umschließen wie die Wellen auf Phu Ngoc uns, wir hoffen dass Bilder das vermögen, was unsere Worte nur unzulänglich hinbekommen: Euch an unserem Vietnam teilhaben zu lassen. Dieser Post wird sich mit dem Norden – Hanoi, Cat Ba und die Halong Bay –befassen, dann wird es weitere Posts zu Zentral- und schließlich zu Südvietnam geben. Die Posts werden lang und die Bilder zahlreich sein – wir hoffen, dass euch beides gefällt.
Hanoi
C und L in müde: das heißt tiefe Augenringe, grundloses Gemurre und eventuell sogar leichte Kopfschmerzen – Hanoi hatte es mit uns anreisegeplagten Ladies also nicht ganz einfach. Doch als sich unser Bus durch die ersten dicht bebauten, wahnsinnig bunten und von Bäumen gesäumten Straßen schlängelte, konnte von Liebe auf den ersten Blick gesprochen werden. Hanoi verbindet alles, was man sich von seinen Anfängen in Vietnam wünscht: gutes Essen (von Pho bis Hot Pot), interessante Geschichte (wir waren hin&weg vom Frauenmuseum) und ein lebendiges Treiben bei Tag (mit guten Shoppingmöglichkeiten) und Nacht (ach ja, es gibt ja keine Lautstärkebegrenzung in asiatischen Clubs). Wir blieben vier Tage in Hanoi und empfehlen jedem, es uns in dieser Weise gleich zu tun, denn wir hätten glatt noch mehr Zeit in Vietnams Hauptstadt verbringen können. Das Klima – bewölkt und 20 bis 25 Grad – machten uns außerdem dem Einstieg in eine neue Welt einfach. 
Cat Ba und die Halong Bay
Von Hanoi nahmen wir den ersten und einzigen Zug nach Hai Phong und setzen im fast direkten Anschluss nach Cat Ba über – das ist günstiger als in kombinierten Bus-Fähre-Paketen und ging schnell und problemlos. Auf Cat Ba muss man ob der ulkig aussehenden, langen dünnen Hotels an der Bucht erst einmal schlucken, von unberührter Natur kann hier keine Rede sein. Baustellenlärm macht das Flanieren am Wasser etwas schwierig, doch wir waren ja für den nature treasure Halong Bay gekommen und oh baby, den bekamen wir. Wir entschieden uns für eine etwas teurere Tour, von der wir nur Gutes gehört hatten und starteten am frühen Morgen mit einer bunten Truppe, unten denen sich – wie wir heute sagen können – Menschen befanden, mit denen wir noch weitere Urlaubserlebnisse teilen konnten. Auf einem süßen roten Boot mit Sonnendeck machten wir uns auf in die Halong Bay, die noch übertraf, was wir uns erhofft hatten. Nicht nur, dass wir größtenteils das einzige Boot am schier entlosen Horizont der Bucht waren, wir konnten sogar vom Schiff ins Wasser hüpfen, Kanu fahren und lecker mit allen Essen. Unser Lieblingsmoment, der wohl auch in der Gesamtlebenserfahrung ziemlich hoch gerankt ist: Wir beide am Schiffsbug sitzend, mal über die Welt redend, mal über die Welt nachdenkend schweigend, treiben über das Wasser und lassen die nackten Füße baumeln. Die Halong Bay mit ihren Karstformationen (das sind die Felsen, die in immer neuen Varianten aus dem Wasser ragen) wird auch nach Stunden, und wir waren neun davon unterwegs, keine Sekunde langweilig und hinterlässt beinahe Muskelkater vom vielen Lächeln, dass den Lippen nicht weichen möchte. Fast poetisch, jedoch absolut angemessen.

Wie ihr merkt voller Liebe,


C&L




















1 Kommentar:

  1. Finally <3 freue mich auf die anderen posts! Hab schon viel gutes über Vietnam gehört und auch wenn es nicht unbedingt auf meiner Bucketlist steht, finde ich es trotzdem interessant darüber zu lesen. Wenn ich die Chance bekommen würde hinzureisen würde ich außerdem eh nicht nein sagen :D

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